Trugst du als Kind die Last der Familie: 9 Anzeichen für Parentifizierung und wie du dich davon lösen kannst

Trugst du als Kind die Last der Familie: 9 Anzeichen für Parentifizierung und wie du dich davon lösen kannst

Als Kind hättest du unbeschwert die Welt entdecken sollen, spielen, lachen und wachsen dürfen. Doch was, wenn du früh Verantwortung für andere übernehmen musstest? Wenn du die Last der Sorgen deiner Eltern trugst oder dich um jüngere Geschwister kümmern musstest, anstatt einfach Kind zu sein?

Was bedeutet Parentifizierung?

Parentifizierung beschreibt den Zustand, wenn Kinder in eine Rolle gedrängt werden, die eigentlich den Erwachsenen zusteht.

Sie übernehmen emotionale und oft auch physische Verantwortung für die Familie – eine Last, die tiefgreifende Auswirkungen auf das spätere Leben haben kann.

Viele, die als Kinder parentifiziert wurden, lernen, sich selbst hintenanzustellen, ihre eigenen Bedürfnisse zu ignorieren und ständig für andere da zu sein.

In diesem Artikel findest du 9 Anzeichen, dass du als Kind parentifiziert wurdest, sowie konkrete Schritte, um dich von diesen Mustern zu befreien und zu heilen.

9 typische Aufgaben, die eine parentifizierte Tochter übernehmen musste

Die Rolle der Ersatzmutter

Statt selbst umsorgt zu werden, kümmerte sie sich um ihre Geschwister. Sie fütterte, wickelte und tröstete sie, als wäre sie die Mutter.

Haushaltsaufgaben übernehmen

Während andere Kinder spielten, sorgte sie dafür, dass der Haushalt funktionierte. Sie wusch, putzte und kochte, oft ohne ein Wort des Dankes, da die Eltern entweder überfordert oder abwesend waren.

Die emotionale Stütze der Eltern sein

Sie hörte sich die Sorgen ihrer Eltern an, versuchte, sie aufzumuntern oder ihre Probleme zu lösen, während sie selbst ihre eigenen emotionalen Bedürfnisse zurückstellte.

Verantwortung für finanzielle Angelegenheiten

Als Kind begleitete sie ihre Eltern zu Ämtern, zahlte Rechnungen oder traf finanzielle Entscheidungen, die eigentlich nicht in ihren Verantwortungsbereich fielen.

Eltern ersetzen, wenn sie abwesend waren

Wenn die Eltern krank, beschäftigt oder emotional nicht verfügbar waren, übernahm sie die elterlichen Aufgaben – sie kümmerte sich um die Geschwister und traf Entscheidungen für die Familie.

Konflikte in der Familie schlichten

Sie fühlte sich oft verantwortlich, Streit zu verhindern oder zu lösen, um den Frieden zu wahren. Ihre Sensibilität für die Stimmungen ihrer Eltern führte zu einem ständigen Gefühl von Alarmbereitschaft.

Für kranke oder überforderte Eltern sorgen

Wenn ein Elternteil krank war oder emotional überfordert, übernahm sie die Pflege und kümmerte sich um alles – oft ohne Rücksicht auf ihre eigenen Bedürfnisse.

Eigene Bedürfnisse ignorieren

Sie stellte ihre eigenen Wünsche zurück, um die Bedürfnisse der Familie zu erfüllen. Selbst ihre eigenen Gefühle wurden oft unterdrückt, da sie lernte, dass es egoistisch war, für sich selbst zu sorgen.

Ständig „erwachsen“ sein

Sie musste sich wie ein Erwachsener verhalten – keine Schwäche zeigen, keine Probleme machen, sondern immer zuverlässig und verantwortungsbewusst handeln.

Wie sich eine erwachsene Person fühlt, die in der Kindheit parentifiziert wurde?

Übermäßige Verantwortungsübernahme
Du fühlst dich ständig für das Wohl anderer verantwortlich, oft auf Kosten deiner eigenen Bedürfnisse.

Schwierigkeiten, um Hilfe zu bitten
Es fällt dir schwer, Unterstützung anzunehmen, weil du es gewohnt bist, alles alleine zu bewältigen.

Perfektionismus und hoher Leistungsdruck
Du setzt dir selbst hohe Standards und hast oft das Gefühl, nichts falsch machen zu dürfen. Fehler sind schwer zu akzeptieren.

Probleme, eigene Bedürfnisse zu erkennen
Du hast nie gelernt, auf deine eigenen Wünsche und Grenzen zu hören, da du immer die Bedürfnisse anderer an erste Stelle setzen musstest.

Schwierigkeiten in Beziehungen
Du übernimmst oft die Rolle des „Kümmernden“ und hast Angst, anderen zur Last zu fallen, was zu einem Ungleichgewicht in deinen Beziehungen führen kann.

Ständige Angst, nicht genug zu tun
Du fühlst dich oft schuldig oder unruhig, wenn du dir eine Pause gönnst oder auf dich selbst achtest.

Erschöpfung und emotionale Überlastung
Du fühlst dich oft ausgebrannt, weil du nie gelernt hast, deine eigenen emotionalen Ressourcen zu schonen.

Schwierigkeiten beim Entspannen
Es fällt dir schwer, loszulassen, selbst in Momenten der Ruhe. Du bist immer in einem inneren Alarmmodus, der dich daran hindert, wirklich zur Ruhe zu kommen.

Ein tiefes Bedürfnis nach Anerkennung
Du suchst unbewusst nach Bestätigung und Lob, da du als Kind gelernt hast, dass du nur dann wertvoll bist, wenn du nützlich und funktional bist.

Der Beginn der Heilung

Erlaube dir, die Freude und Unbeschwertheit von damals nachzuholen. Male, tanze, schaue deine Lieblingsfilme aus der Kindheit oder kuschle dich mit einer Decke auf dem Sofa. Schenke deinem inneren Kind die Momente der Freude und Leichtigkeit, die es damals vermisst hat.

  • Setze klare Grenzen – auch in der Familie

Du hast das Recht, dich selbst zu schützen. Grenzen zu setzen ist ein Akt der Selbstliebe und kein Verrat. Lerne, „Nein“ zu sagen, ohne Schuldgefühle. Deine Bedürfnisse sind genauso wichtig wie die der anderen.

  • Werde dein eigener sicherer Ort

Erstelle Routinen und Rituale, die dir helfen, dich zu entspannen und für dich selbst zu sorgen. Sprich mit dir selbst wie mit einer besten Freundin – liebevoll und verständnisvoll. Du darfst lernen, dir selbst zu vertrauen und dir Sicherheit zu geben.

  • Suche Verbindung zu Gleichgesinnten

Heilung braucht Resonanz. Du musst diesen Weg nicht allein gehen. Suche dir einen Raum, in dem du authentisch sein kannst – sei es in einer Selbsthilfegruppe, einem therapeutischen Kreis oder einer Online-Community. Es gibt Menschen, die dich verstehen, ohne viele Worte.

  • Vergib dir selbst

Du hast das getan, was du tun musstest, um zu überleben. Doch heute ist der Zeitpunkt, dir selbst zu vergeben. Du bist nicht mehr das Kind, das in eine Rolle gedrängt wurde. Du bist jetzt ein Erwachsener, der die Freiheit hat, für sich selbst zu sorgen und glücklich zu sein.