Weihnachten ohne Kontakt zur Familie: 7 Wege, gut durch die Feiertage zu kommen

Weihnachten ohne Kontakt zur Familie 7 Wege, gut durch die Feiertage zu kommen

Nicht jede Tochter, die an Weihnachten allein ist, wurde vergessen. Manche haben sich bewusst gegen einen Tisch entschieden, an dem sie jedes Jahr wieder verletzt wurden.

Trotzdem kann der Dezember schwer werden. „Und was machst du an Weihnachten? Fährst du zu deinen Eltern?“, fragt die Kollegin ganz beiläufig. Und du suchst nach einer Antwort.


„Ich bleibe dieses Jahr zu Hause.“ Mehr sagst du nicht.

Wie solltest du auch erklären, dass du keinen Kontakt mehr zu deiner Familie hast? Dass du diese Entscheidung nicht leichtfertig getroffen hast und dass es dir die meiste Zeit gut damit geht?

Nur nicht im Dezember.

Im Dezember ist überall Familie: in der Werbung, in den Schaufenstern, in den Gesprächen der anderen. Und mittendrin bist du, mit einer Lücke, die sich gerade jetzt besonders groß anfühlt.

Menschen haben ganz unterschiedliche Gründe, warum sie den Kontakt zu ihrer Familie abbrechen oder stark einschränken. Oft steht dahinter ein langer, schmerzhafter Weg, und keine Geschichte gleicht der anderen.

Wenn du diesen Weg gegangen bist, musst du dich vor niemandem rechtfertigen. Aber du darfst dir die Feiertage leichter machen.


Sieben Wege können dabei helfen.


1. Plane die Feiertage, statt sie auf dich zukommen zu lassen

Leere Tage können schwer werden. Besonders der Heiligabend, wenn alle anderen beschäftigt sind und das Handy still bleibt.

Deshalb hilft es, die Tage vorher bewusst zu planen. Was möchtest du am 24. machen, was am 25.?

Vielleicht einen Spaziergang am Morgen, einen Film am Nachmittag und ein Telefonat mit einer Freundin am Abend.

Es muss nichts Großes sein. Wichtig ist nur, dass du nicht stundenlang ohne Halt bist.

Manche Menschen nehmen sich bewusst etwas vor, das gar nichts mit Weihnachten zu tun hat. Ein Puzzle mit tausend Teilen, ein dickes Buch oder einen Ausflug in eine Stadt, in der dich niemand kennt.

Ein Plan ist kein Zeichen von Einsamkeit. Er ist ein Geländer für Tage, die sich wackelig anfühlen können.

2. Schaffe dir eigene Rituale

Vielleicht waren die alten Rituale nie wirklich schön. Oder sie sind mit zu vielen schmerzhaften Erinnerungen verbunden. Dann darfst du neue erfinden.

Ein Frühstück im Bett mit deinem Lieblingsgebäck. Eine Kerze für dich selbst, für das Kind, das du warst.

Ein Brief an dich, in dem du aufschreibst, was du in diesem Jahr geschafft hast.

Vielleicht kochst du ein Gericht, das es nur an Weihnachten gibt, weil es deins ist. Oder du hängst einen Anhänger an den Baum, der nur für dich ist, als Erinnerung an das, was du dir selbst versprochen hast.

Weihnachten gehört nicht der Familie, die du verlassen hast. Es gehört auch dir.

3. Verbringe Zeit mit deiner Wahlfamilie

Familie ist nicht immer die, in die man hineingeboren wurde. Manchmal sind es Freundinnen, Nachbarn oder Kolleginnen, die ebenfalls allein feiern.

Vielleicht organisierst du ein kleines Essen für Menschen, die an Weihnachten nirgendwo hinwollen oder hinkönnen. Oder du nimmst eine Einladung an, die du sonst aus Scham abgelehnt hättest.

„Ich habe dieses Jahr nichts vor. Darf ich vorbeikommen?“

Dieser Satz kostet Mut. Aber er kann einen ganzen Abend verwandeln.

Manche Menschen engagieren sich an den Feiertagen auch ehrenamtlich. Sie helfen bei einem Weihnachtsessen für Menschen in Not oder besuchen ältere Menschen, die allein sind.

Für andere da zu sein, kann auch dem eigenen Herzen guttun.

Eine Wahlfamilie ersetzt nicht, was dir gefehlt hat. Aber sie kann dir zeigen, wie sich Familie anfühlen kann.

4. Begrenze Social Media in diesen Tagen

Perfekte Weihnachtsbäume, lachende Großfamilien, Mütter und Töchter in passenden Pullovern. Gerade an den Feiertagen zeigen soziale Netzwerke vor allem heile Welt.

Dass hinter vielen dieser Bilder auch Streit, Stress und Tränen stecken, sieht man nicht.

Wenn dich solche Bilder traurig machen, darfst du dein Handy beiseitelegen. Ein paar Tage lang, oder zumindest zu bestimmten Zeiten.

Du kannst auch bestimmte Konten für ein paar Wochen stummschalten. Niemand merkt es, aber du merkst, wie viel ruhiger du wirst.

Du musst dir nicht stundenlang das Glück anderer ansehen, während du deinen eigenen Frieden suchst.

5. Entscheide vorher, wie du mit Nachrichten umgehst

Vielleicht kommt an Weihnachten eine Nachricht. Von deiner Mutter, deinem Vater oder einer Tante, die vermitteln möchte.

„Es ist doch Weihnachten. Willst du nicht wenigstens heute anrufen?“

Solche Nachrichten können alles wieder aufwühlen. Deshalb hilft es, schon vorher zu überlegen, wie du reagieren möchtest.

Antwortest du kurz oder gar nicht? Oder liest du die Nachricht erst nach den Feiertagen?

Manche bitten auch eine Freundin, die Nachricht zuerst zu lesen, damit sie sie nicht allein öffnen müssen. Es gibt keine richtige oder falsche Antwort, nur deine.

Gerade nach einem Kontaktabbruch kommen an solchen Tagen oft viele Gefühle auf einmal.

Du bist nicht verpflichtet, an einem bestimmten Datum deine Grenzen aufzugeben.

6. Erlaube dir gemischte Gefühle

Erleichterung, Trauer, Schuld, Wut und Sehnsucht können an einem einzigen Tag auftauchen. Manchmal in einer einzigen Stunde.

Viele Menschen ohne Kontakt zur Familie erleben, dass sie gleichzeitig froh und traurig sind.

Froh, dass sie sich das alte Drama ersparen. Traurig, weil sie sich eine andere Familie gewünscht hätten.

Beides ist wahr, und beides darf da sein.

Vielleicht hilft es, den Gefühlen einen Ort zu geben. Ein Tagebuch, ein Gespräch oder einen langen Spaziergang, auf dem du dir alles von der Seele denkst.

Trauer bedeutet nicht, dass deine Entscheidung falsch war. Sie bedeutet, dass du dir etwas anderes gewünscht hättest.

7. Sei an diesen Tagen besonders freundlich zu dir

Schlaf aus, iss etwas, das dir guttut, und geh an die frische Luft. Ruf Menschen an, bei denen du dich sicher fühlst.

Und sprich mit dir selbst so, wie du mit einer guten Freundin sprechen würdest.

„Das ist gerade schwer. Und du machst das gut.“

Wenn die Feiertage dich sehr belasten, musst du sie nicht allein durchstehen. Auch an Weihnachten gibt es Seelsorge- und Beratungsangebote, und eine Therapie kann dir helfen, das Erlebte in Ruhe zu verarbeiten.

Gerade an den Tagen, an denen dir deine Familie fehlt, darfst du dir selbst die Fürsorge schenken, die du verdienst.

Weihnachten ohne Kontakt zur Familie: Warum gerade diese Tage so schwer sind

Weihnachten ist mit großen Erwartungen verbunden: Harmonie, Nähe, ein Fest der Familie. Wer diese Familie nicht hat, spürt die Lücke an keinem anderen Tag so deutlich.

Dazu kommen Erinnerungen, schöne und schmerzhafte.

Vielleicht auch die Hoffnung, die du jedes Jahr hattest, dass es diesmal anders wird. Und die Enttäuschung, wenn es wieder genauso war.

Viele, die keinen Kontakt mehr haben, kennen die Dinge, die Weihnachten mit der narzisstischen Mutter jedes Jahr schwer gemacht haben.

Wenn die Schuldgefühle kommen

„Es ist doch Weihnachten.“

„Sie ist doch deine Mutter.“

„Irgendwann ist es zu spät.“

Solche Sätze hörst du vielleicht von anderen. Oder von der Stimme in deinem Kopf.

Doch ein Datum im Kalender ändert nichts daran, warum du gegangen bist.

Wenn du deine Entscheidung irgendwann überdenken möchtest, darfst du das tun. Aber nicht, weil es Weihnachten ist, sondern weil du es für dich willst.

Und wenn du es nicht willst, ist auch das in Ordnung. Ein Kontaktabbruch ist keine Strafe für die anderen. Er ist ein Schutz für dich.

Du hast dich nicht gegen Weihnachten entschieden

Du hast dich für deinen Frieden entschieden. Für dein Wohlbefinden und für ein Leben, in dem du nicht ständig verletzt wirst.

Das ist kein Verrat an der Familie, sondern Selbstschutz. Und vielleicht ist es auch der Anfang von etwas Neuem.

Von Feiertagen, die du in ein paar Jahren nicht mehr fürchtest, sondern selbst gestaltest.

Ein kleiner Schritt für heute: Nimm einen Zettel und schreib auf, wie dein 24. Dezember aussehen soll, grob von morgens bis abends. Häng ihn an den Kühlschrank. Dann ist der Tag nicht mehr leer, bevor er beginnt.

Vielleicht wird dieses Weihnachten nicht perfekt. Aber es kann friedlich werden. Und Frieden ist manchmal das schönste Geschenk.

Quellen

  • Lindsay C. Gibson: „Emotional unreife Eltern“ – Über schwierige Eltern-Kind-Beziehungen und wie erwachsene Kinder sich von alten Mustern lösen können.