Selbstbezogene Mutter: Wenn dein Bedürfnis keinen Platz findet

Selbstbezogene Mutter: Wenn dein Bedürfnis keinen Platz findet

Habt ihr jemals darüber nachgedacht, ob ihr selbst unbewusst zu eurer Mutter werdet? Ich habe in letzter Zeit viel darüber nachgedacht. Es ist erstaunlich, wie wir oft genau das übernehmen, was wir eigentlich nicht sein wollen – wie wir uns in die Spiegelbilder unserer Eltern verwandeln, manchmal ohne es überhaupt zu merken.

Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, erinnere ich mich daran, wie sehr ich mich an meine Mutter angepasst habe. Ich habe viel Zeit mit ihr verbracht, und irgendwie schien alles, was wir taten, von ihrem Befinden abzuhängen. Sie war nicht kalt, das kann man so nicht sagen, aber sie war sehr bei sich.

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Alles in ihrem Leben war durchgeplant, organisiert und perfekt abgestimmt. Ihre Kleidung saß immer makellos, das Haus war ordentlich, alles hatte seinen Platz, jeder Tag war strukturiert – von Kochen über Putzen bis zu den kleinsten Routinen.

Ihr Zustand bestimmte die Stimmung des Hauses. War sie gut gelaunt, konnte ich lachen und spielen, mich entspannen. War sie jedoch traurig oder in sich gekehrt, wich ich aus. Ich wollte ihr nicht im Weg sein, wollte nicht ihre Ruhe stören. Manchmal fühlte ich mich unsichtbar, als wäre mein eigenes Bedürfnis nicht erlaubt. Ich habe gelernt, mich klein zu machen, damit sie sich wohlfühlen konnte, ohne es je ausgesprochen zu bekommen.

Jetzt, Jahre später, wenn ich mich selbst beobachte, erkenne ich diese Muster wieder. Ich habe die Rituale übernommen, die Struktur, die Ordnung, die Perfektion – den Drang, alles unter Kontrolle zu haben. Ich plane meine Tage, habe feste Routinen für Putzen, Einkäufe, Arbeit und soziale Kontakte. Alles hat seinen Platz, alles hat seine Zeit. Ich erkenne meine Mutter in mir – die Kontrolle, die Planung, die Ordnung. Und manchmal fehlt mir etwas dabei: die Spontanität, das Ungeplante, das Einfach-mal-Loslassen.

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Es ist eine Mischung aus Respekt und Angst, die wir von unseren Eltern lernen. Wir lernen, dass Ordnung und Kontrolle Sicherheit bedeuten, dass Anpassung Liebe bedeutet, dass wir uns selbst verlieren müssen, um akzeptiert zu werden. Und ich habe diese Lektionen in mein Erwachsenenleben mitgenommen, oft ohne es zu merken. Ich wollte nie wie sie sein, aber ein Teil von mir ist genau das geworden.

Doch heute versuche ich, mir bewusst Freiräume zu schaffen. Ich versuche, die strengen Routinen zu unterbrechen, mir Momente der Spontanität zu erlauben, mir selbst zuzuhören, ohne dass alles perfekt sein muss. Ich versuche, das Kind in mir zu trösten, das damals gelernt hat, seine eigenen Bedürfnisse zu unterdrücken. Dieses Kind möchte spielen, lachen, Fehler machen, einfach sein – ohne dass alles geplant, strukturiert oder perfekt sein muss.

Es ist ein langsamer Prozess, sich von den übernommenen Mustern zu lösen. Aber jeder kleine Schritt, jede bewusste Entscheidung, mir selbst Raum zu geben, ist ein Akt der Heilung. Ich beginne zu verstehen, dass mein Bedürfnis Platz hat – auch wenn es früher keinen Platz gab. Ich lerne, dass meine Gefühle, meine Wünsche, meine Spontaneität wertvoll sind.

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Vielleicht ist das die wichtigste Lektion: Wir müssen nicht alles wiederholen, was wir von unseren Eltern gelernt haben. Wir können uns entscheiden, unsere eigenen Wege zu gehen, unsere eigenen Freiräume zu schaffen, ohne das Gefühl zu haben, uns dafür rechtfertigen zu müssen. Wir können lernen, uns selbst zu lieben, trotz der inneren Stimmen, die uns noch immer sagen, wir seien zu laut, zu chaotisch, zu unperfekt.

Und manchmal, wenn ich in mein eigenes Leben blicke, sehe ich meine Mutter in kleinen Dingen – in der Ordnung, der Struktur, der Planung. Aber ich sehe auch mich selbst – das Bedürfnis nach Freiheit, nach Spontanität, nach Leichtigkeit. Und ich lerne, dass beide Seiten existieren dürfen. Dass ich lernen kann, mich nicht in ihren Schatten zu verlieren, sondern mich selbst zu finden.

Denn am Ende geht es nicht darum, sie zu kopieren oder zu kritisieren. Es geht darum, zu erkennen, wer ich bin, was ich brauche und dass ich ein Recht darauf habe, sichtbar zu sein – auch wenn meine Mutter nie genug Raum dafür hatte.