Fliegende Affen im Dienst des Narzissten
Viele Menschen, die eine Beziehung mit einem Narzissten erlebt haben, berichten von einem ganz bestimmten Augenblick. Zunächst glauben sie, dass sie nur gegen eine einzige Person kämpfen. Doch plötzlich scheint sich alles zu verändern. Freunde ziehen sich zurück, Verwandte verhalten sich distanziert, gemeinsame Bekannte stellen unangenehme Fragen, und manche Menschen beginnen sogar, die betroffene Person offen zu kritisieren.
Das Opfer versteht oft nicht, was geschehen ist. Es fragt sich, warum Menschen, denen es vertraut hat, plötzlich auf der Seite des Narzissten stehen.
Die Antwort lautet häufig: Der Narzisst hat seine „fliegenden Affen“ ausgesandt.
Wer sind die fliegenden Affen?
Der Begriff „fliegende Affen“ stammt ursprünglich aus dem berühmten Film Der Zauberer von Oz. Dort erledigten die fliegenden Affen die Arbeit der bösen Hexe und setzten ihre Befehle um.
Heute wird dieser Ausdruck in der Psychologie verwendet, um Menschen zu beschreiben, die den Narzissten bewusst oder unbewusst unterstützen.
Dabei kann es sich um ganz unterschiedliche Personen handeln:
- Familienmitglieder
- Geschwister
- Eltern
- Freunde
- Arbeitskollegen
- Nachbarn
- ehemalige Partner
- neue Partnerinnen oder Partner
Manche von ihnen wissen genau, was sie tun. Andere erkennen nicht einmal, dass sie manipuliert werden.
Warum braucht ein Narzisst fliegende Affen?
Ein Narzisst lebt von Aufmerksamkeit, Kontrolle, Bewunderung und Macht. Er möchte bestimmen, wie andere Menschen ihn wahrnehmen.
Dabei verfolgt er oft ein bestimmtes Ziel: Er möchte seine eigene Version der Wahrheit erschaffen.
Da es für ihn schwierig ist, Verantwortung für sein Verhalten zu übernehmen, sucht er nach Menschen, die seine Sichtweise bestätigen.
Fliegende Affen erfüllen genau diesen Zweck.
Sie werden zu seinen Augen, seinen Ohren und manchmal sogar zu seiner Stimme.
Welche Arten von fliegenden Affen gibt es?
Die überzeugten Anhänger
Diese Menschen glauben dem Narzissten jedes Wort. Sie sind von seiner Ausstrahlung beeindruckt und halten ihn für freundlich, großzügig und hilfsbereit.
Wenn das Opfer von seinem Leid berichtet, antworten sie oft:
- „Das kann ich mir nicht vorstellen.“
- „Er war immer nett zu mir.“
- „Du musst etwas falsch verstanden haben.“
Die ängstlichen Helfer
Manche Menschen unterstützen den Narzissten, weil sie Angst haben. Sie wissen, wie rachsüchtig und verletzend er sein kann. Deshalb stellen sie sich lieber auf seine Seite.
Die opportunistischen Helfer
Diese Menschen profitieren von der Beziehung zum Narzissten. Vielleicht erhalten sie finanzielle Vorteile, Aufmerksamkeit oder gesellschaftliches Ansehen.
Solange sie etwas davon haben, bleiben sie an seiner Seite.
Die ahnungslosen Helfer
Manche Menschen erkennen nicht, dass sie manipuliert werden.
Sie glauben wirklich, helfen zu müssen, und verstehen erst viel später, dass sie Teil eines zerstörerischen Systems geworden sind.
Welche Arten von Narzissten nutzen fliegende Affen?
Der grandiose Narzisst
Er liebt Bewunderung und Aufmerksamkeit. Er genießt es, im Mittelpunkt zu stehen, und setzt fliegende Affen häufig ein, um sein Ansehen zu schützen.
Der verdeckte Narzisst
Er tritt oft als Opfer auf. Er erzählt anderen Menschen, wie sehr er gelitten hat und wie ungerecht er behandelt wurde.
Dadurch gewinnt er Mitgefühl und Unterstützung.
Der bösartige Narzisst
Diese Form gilt als besonders gefährlich. Solche Menschen nutzen andere ganz bewusst aus und empfinden oft kaum Schuldgefühle.
Der kommunale Narzisst
Er präsentiert sich als besonders hilfsbereit, mitfühlend und großzügig. Deshalb fällt es anderen Menschen oft schwer, seine manipulativen Seiten zu erkennen.
Wie der Narzisst seine fliegenden Affen einsetzt
Sie sammeln Informationen
Ein Narzisst möchte alles wissen. Hat das Opfer einen neuen Partner? Ist es traurig? Denkt es noch an ihn? Hat es über die Beziehung gesprochen?
Oft stellen die fliegenden Affen scheinbar harmlose Fragen. In Wirklichkeit sammeln sie Informationen, die später gegen das Opfer verwendet werden.
Sie verbreiten Gerüchte
Viele Narzissten beginnen nach einer Trennung eine gezielte Kampagne gegen das Opfer.
Sie erzählen anderen Menschen, dass das Opfer labil, aggressiv, undankbar, eifersüchtig oder unberechenbar sei.
Die fliegenden Affen tragen diese Geschichten weiter.
Sie üben Druck aus
Einige fliegende Affen versuchen, das Opfer zur Rückkehr zu bewegen.
Sie sagen Dinge wie:
- „Er liebt dich doch.“
- „Gib ihm noch eine Chance.“
- „Du bist viel zu streng.“
- „Jeder Mensch macht Fehler.“
Das Opfer beginnt erneut, an sich selbst zu zweifeln.
Sie lösen Schuldgefühle aus
Besonders schmerzhaft ist es, wenn Familienmitglieder oder enge Freunde beteiligt sind.
Sie sagen vielleicht:
- „Du zerstörst die Familie.“
- „Du solltest vergeben.“
- „Denk doch an die Kinder.“
- „Warum machst du alles so kompliziert?“
Auf diese Weise entsteht ein enormer emotionaler Druck.
Warum die Situation für das Opfer immer schlimmer wird
Der Narzisst ist nicht mehr allein. Er hat ein ganzes Netzwerk aufgebaut. Das Opfer verliert nach und nach sein Vertrauen in andere Menschen.
Es fühlt sich isoliert. Es beginnt, an den eigenen Erinnerungen zu zweifeln.
Es fragt sich:
„Vielleicht übertreibe ich wirklich.“
„Vielleicht bin ich tatsächlich das Problem.“
Genau das möchte der Narzisst erreichen. Denn ein verunsicherter Mensch lässt sich leichter kontrollieren.
Können fliegende Affen selbst narzisstische Eigenschaften haben?
Ja, das ist möglich.
Manche fliegenden Affen zeigen ebenfalls narzisstische Züge. Andere leiden unter einem geringen Selbstwertgefühl und suchen die Nähe des Narzissten, um sich stärker, wichtiger oder mächtiger zu fühlen.
Wieder andere haben gelernt, dass Anpassung der beste Weg ist, um Konflikte zu vermeiden.
Wie kann sich das Opfer schützen?
Der erste Schritt besteht darin, die Manipulation zu erkennen.
Der zweite Schritt besteht darin, klare Grenzen zu setzen.
Das bedeutet:
- keine Rechtfertigungen;
- keine endlosen Diskussionen;
- keine Versuche, jeden Menschen von der Wahrheit zu überzeugen;
- möglichst wenig Kontakt.
Außerdem ist es wichtig, Menschen zu finden, die wirklich zuhören und Verständnis zeigen.
Können Opfer heilen?
Ja, sie können heilen.
Doch viele Betroffene müssen zunächst begreifen, dass nicht nur der Narzisst sie verletzt hat. Oft waren es auch die Menschen um ihn herum.
Gerade dieser doppelte Verrat hinterlässt tiefe Wunden.
Viele Opfer sagen später, dass nicht die Grausamkeit des Narzissten am schlimmsten war, sondern die Tatsache, dass andere Menschen zugesehen, geschwiegen oder sogar mitgemacht haben.
Doch genau darin liegt auch eine wichtige Erkenntnis:
Nicht jeder Mensch, der an der Seite eines Narzissten steht, verdient einen Platz im Leben des Opfers.
Und manchmal beginnt Heilung genau in dem Moment, in dem ein Mensch erkennt, dass er sich nicht länger verteidigen muss, um die Wahrheit zu kennen.





