Abwertung vor den Kindern: 5 Folgen für die Kinder

Abwertung vor den Kindern: 5 Folgen für die Kinder

„Deine Mutter hat doch sowieso keine Ahnung.“

„Dein Vater ist einfach zu nichts zu gebrauchen.“


„Schau dir an, wie unfähig deine Mutter ist.“

Solche Sätze fallen in manchen Familien beinahe täglich. Ein Elternteil macht den anderen vor den Kindern lächerlich, kritisiert jede Entscheidung oder spricht abfällig über ihn. Manchmal geschieht es laut und aggressiv, manchmal durch spöttische Bemerkungen, Augenrollen oder abwertendes Lachen.

Für den Erwachsenen ist es vielleicht nur ein Ausdruck seiner Unzufriedenheit. Für das Kind kann es jedoch eine tiefe Verunsicherung bedeuten.

Denn wenn ein Elternteil den anderen ständig herabsetzt, wird nicht nur der Partner verletzt. Auch die Kinder tragen die Folgen.

Kinder lieben in der Regel beide Elternteile. Wenn sie erleben, dass einer von ihnen regelmäßig gedemütigt wird, geraten sie in einen inneren Konflikt, den sie weder verstehen noch lösen können.

Besonders problematisch wird es, wenn solche Situationen zum Familienalltag gehören.



1. Die Kinder verlieren ihr Gefühl von Sicherheit

Ein Kind sitzt am Esstisch. Die Mutter erzählt etwas, der Vater unterbricht sie: „Red keinen Unsinn. Du verstehst das sowieso nicht.“

Die Mutter schweigt. Das Kind beobachtet ihre Reaktion. Vielleicht kommt es später zu einem Streit. Vielleicht bleibt die Stimmung den ganzen Abend angespannt.

Wenn solche Situationen regelmäßig vorkommen, beginnen Kinder, die Laune ihrer Eltern ständig zu beobachten.

Sie achten darauf, wie der Vater nach Hause kommt, wie die Mutter antwortet und ob sich ein Streit anbahnt.

Manche werden besonders still und angepasst. Andere reagieren mit Unruhe, Schlafproblemen oder Konzentrationsschwierigkeiten.

Sie lernen, dass die Stimmung zu Hause jederzeit kippen kann.

Statt sich sicher und unbeschwert zu fühlen, versuchen sie ständig vorherzusehen, was als Nächstes passieren könnte.

2. Ihr Selbstwertgefühl kann darunter leiden

Wenn ein Vater seine Frau immer wieder als dumm, faul oder unfähig bezeichnet, hört das Kind diese Worte ebenfalls.

Vielleicht denkt die Tochter: „Ich bin meiner Mutter ähnlich. Bin ich dann auch so?“

Oder ein Junge hört ständig, dass sein Vater ein Versager sei, obwohl er ihn liebt und bewundert.

Kinder identifizieren sich häufig mit beiden Elternteilen. Wird einer von ihnen regelmäßig abgewertet, kann das auch ihr eigenes Selbstbild beeinflussen.

Besonders schädlich ist es, wenn die Kinder ähnliche Eigenschaften besitzen wie der herabgesetzte Elternteil.

Manche entwickeln dann das Gefühl, sich ständig beweisen zu müssen. Sie möchten gute Noten schreiben, alles richtig machen und bloß keinen Anlass zur Kritik geben. Andere ziehen sich zurück, weil sie befürchten, ohnehin nicht gut genug zu sein.

Nicht jedes Kind reagiert gleich. Doch dauerhafte Abwertung kann dazu beitragen, dass Kinder an ihrem eigenen Wert zweifeln.

3. Sie geraten zwischen Mutter und Vater

„Du siehst doch selbst, wie deine Mutter ist.“

„Sag deinem Vater, dass er sich endlich vernünftig benehmen soll.“

Solche Aussagen bringen Kinder in eine schwierige Situation. Sie sollen plötzlich beurteilen, welcher Elternteil recht hat. Vielleicht erwarten Mutter oder Vater sogar, dass das Kind Partei ergreift.

Doch Kinder möchten normalerweise beide Eltern lieben dürfen. Sie wollen nicht das Gefühl haben, einen von ihnen verraten zu müssen.

Deshalb beginnen manche, ihr Verhalten anzupassen.

Beim Vater erzählen sie nicht, wie schön der Nachmittag mit der Mutter war. Bei der Mutter verschweigen sie, dass sie mit dem Vater Spaß hatten.

Andere versuchen, zwischen den Eltern zu vermitteln oder Streit zu verhindern. So übernehmen sie Verantwortung für Probleme, die ausschließlich die Erwachsenen lösen müssten.

Ein Kind sollte niemals entscheiden müssen, welchen Elternteil es lieben darf und welchen nicht.

4. Sie entwickeln ein problematisches Bild von Liebe

Kinder lernen durch das, was sie täglich erleben.

Wenn ein Junge sieht, dass sein Vater die Mutter ständig verspottet, könnte er dieses Verhalten später für normal halten.

Wenn ein Mädchen beobachtet, dass ihre Mutter jede Beleidigung schweigend hinnimmt, könnte sie Schwierigkeiten entwickeln, ähnliche Situationen in einer eigenen Beziehung frühzeitig als respektlos zu erkennen.

Natürlich bedeutet das nicht, dass Kinder später zwangsläufig dieselben Beziehungsmuster wiederholen. Doch das Elternhaus vermittelt ihnen erste Vorstellungen davon, wie Menschen miteinander umgehen.

Wenn Liebe regelmäßig mit Demütigung, Kritik und Machtkämpfen verbunden ist, kann es später schwerer fallen, gesunde Grenzen zu erkennen.

Manche Erwachsene akzeptieren dann viel zu lange respektloses Verhalten. Andere vermeiden Konflikte vollständig, weil sie Angst haben, dass jeder Streit in einer Verletzung endet.

5. Sie fühlen sich für das Glück ihrer Eltern verantwortlich

Besonders belastend wird es, wenn Kinder versuchen, den gedemütigten Elternteil zu beschützen. Vielleicht sieht eine Tochter, wie ihre Mutter nach einem Streit weint.

Sie setzt sich neben sie, tröstet sie und versucht, sie aufzumuntern. Beim nächsten Mal bemüht sie sich, besonders brav zu sein, damit der Vater keinen Grund hat, wütend zu werden.

Ein anderes Kind versucht, die Eltern abzulenken oder zwischen ihnen zu vermitteln. Wenn das regelmäßig geschieht, übernimmt das Kind eine Rolle, die nicht zu seinem Alter passt.

Es kümmert sich um die Gefühle der Erwachsenen, während seine eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund geraten.

In der Psychologie spricht man bei einer solchen dauerhaften Rollenumkehr von Parentifizierung.

Später kann es diesen Menschen schwerfallen, Nein zu sagen, eigene Bedürfnisse ernst zu nehmen oder sich nicht für die Probleme anderer verantwortlich zu fühlen.

Sie haben früh gelernt, dass sie für Frieden sorgen müssen.

Warum auch scheinbar harmlose Bemerkungen verletzen

Nicht jede Abwertung geschieht durch lautes Schreien. Manchmal reicht ein spöttisches Lächeln.

„Typisch deine Mutter.“

„Von deinem Vater kannst du sowieso nichts erwarten.“

„Lass das lieber mich machen, Mama bekommt es wieder nicht hin.“

Wenn solche Sätze immer wieder fallen, entsteht ein Familienklima, in dem ein Elternteil weniger wert zu sein scheint als der andere.

Kinder nehmen diese Botschaft wahr, auch wenn Erwachsene behaupten, alles sei nur Spaß gewesen. Entscheidend ist deshalb nicht nur, ob Eltern streiten, sondern wie sie dabei miteinander umgehen.

Was Eltern unbedingt verändern sollten

Eltern dürfen unterschiedlicher Meinung sein. Sie müssen sich nicht immer verstehen und auch nicht jeden Konflikt vor den Kindern verbergen.

Doch sie sollten darauf verzichten, einander persönlich zu beleidigen oder lächerlich zu machen.

Wenn eine verletzende Bemerkung gefallen ist, sollte der verantwortliche Elternteil sie richtigstellen und sich entschuldigen.

Kinder brauchen außerdem die klare Botschaft, dass sie keine Schuld an den Konflikten tragen und sich nicht zwischen Mutter und Vater entscheiden müssen.

Wenn die Abwertung dauerhaft anhält, kann professionelle Unterstützung sinnvoll sein. Bei Einschüchterung, Drohungen oder Gewalt muss die Sicherheit der Betroffenen Vorrang haben.

Was Kinder wirklich brauchen

Sie brauchen Erwachsene, die auch bei Meinungsverschiedenheiten respektvoll bleiben, Verantwortung für ihr Verhalten übernehmen und Konflikte nicht auf dem Rücken ihrer Kinder austragen.

Wer den anderen Elternteil vor den Kindern ständig erniedrigt, verletzt damit nicht nur seinen Partner. Er belastet auch das Vertrauen, das Sicherheitsgefühl und möglicherweise das spätere Beziehungsverhalten der Kinder.

Denn Kinder lernen Liebe nicht allein durch das, was Eltern ihnen sagen. Sie lernen Liebe vor allem daran, wie ihre Eltern miteinander umgehen.