Empath und Narzisst: Warum sie sich so oft begegnen

Empath und Narzisst Warum sie sich so oft begegnen

Am Anfang wirkt alles wie ein Zufall. Zwei Menschen lernen sich kennen. Der eine begegnet dem Leben mit offenem Herzen. Er glaubt an Ehrlichkeit, an Mitgefühl und daran, dass jeder Mensch eine zweite Chance verdient. Der andere erscheint aufmerksam, charmant und außergewöhnlich interessiert. Er scheint genau die richtigen Worte zu finden. Er hört aufmerksam zu, macht Komplimente und vermittelt das Gefühl, endlich verstanden zu werden.

Für einen empathischen Menschen fühlt sich diese Begegnung oft wie etwas Besonderes an.

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Denn Empathen sehen in anderen Menschen meist zuerst das Gute. Sie achten weniger auf Fehler als auf Möglichkeiten. Sie fragen nicht sofort, was jemand ihnen geben kann. Sie fragen vielmehr, was hinter seinem Verhalten steckt und wie sie ihn verstehen können.

Genau hier beginnt häufig eine Dynamik, die später schmerzhaft werden kann.

Menschen mit ausgeprägten narzisstischen Verhaltensweisen wirken zu Beginn oft sehr überzeugend. Sie wissen häufig, wie wichtig Aufmerksamkeit, Anerkennung und romantische Gesten für den Aufbau von Nähe sind. Sie können den Eindruck vermitteln, dass der andere etwas ganz Besonderes ist. Für jemanden, der sich nach echter Verbundenheit sehnt, kann das überwältigend sein.

Der empathische Mensch öffnet sein Herz.

Er vertraut.

Er erzählt von seinen Träumen, seinen Ängsten und seinen Verletzungen.

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Er glaubt, endlich einem Menschen begegnet zu sein, der ihn wirklich sieht.

Doch genau diese Offenheit macht ihn verletzlich, wenn die Beziehung später aus dem Gleichgewicht gerät.

Empathen geben oft sehr viel.

Sie hören zu.

Sie trösten.

Sie verzeihen.

Sie suchen Erklärungen, selbst dann, wenn andere längst aufgegeben hätten.

Sie hoffen, dass Liebe einen Menschen verändern kann.

Und genau deshalb bleiben sie manchmal länger in Beziehungen, die ihnen nicht guttun.

Nicht weil sie schwach sind.

Sondern weil sie an Menschen glauben.

Mit der Zeit verändert sich die Beziehung häufig.

Die vielen Komplimente werden seltener.

Die Kritik nimmt zu.

Aus kleinen Bemerkungen werden Zweifel.

Aus Nähe wird Unsicherheit.

Der empathische Partner versucht nun häufig, den Menschen zurückzubekommen, den er am Anfang kennengelernt hat.

Er versteht nicht, dass die Beziehung sich verändert hat.

Er glaubt, er müsse sich nur noch ein wenig mehr bemühen.

Doch Liebe sollte niemals davon abhängen, wie sehr ein Mensch sich verbiegt.

Ein empathischer Mensch besitzt die seltene Fähigkeit, Schmerz bei anderen wahrzunehmen. Das ist eine große Stärke. Gefährlich wird sie erst dann, wenn er den Schmerz des anderen wichtiger nimmt als seinen eigenen.

Viele Empathen erkennen erst sehr spät, wie viel sie bereits verloren haben.

Sie haben aufgehört, ihre Bedürfnisse auszusprechen.

Sie entschuldigen sich ständig.

Sie zweifeln an sich.

Und trotzdem hoffen sie noch immer auf den Menschen vom Anfang der Beziehung.

Der entscheidende Wendepunkt kommt oft erst dann, wenn der empathische Mensch erkennt, dass Liebe nicht bedeutet, alles zu ertragen.

Empath Und Narzisst Warum Sie Sich So Oft Begegnen(1)

Er versteht, dass Mitgefühl keine Einbahnstraße sein darf. Dass Respekt niemals von Leistung abhängen sollte. Und dass eine gesunde Beziehung beide Menschen wachsen lässt – nicht nur einen.

Deshalb begegnen sich Empathen und Menschen mit stark narzisstischen Verhaltensweisen manchmal in Beziehungen.

Nicht weil Empathie eine Schwäche ist.

Nicht weil jeder Narzisst gezielt nach Empathen sucht.

Sondern weil Offenheit, Vertrauen und die Bereitschaft zu verzeihen in einer unausgeglichenen Beziehung ausgenutzt werden können, wenn der andere diese Eigenschaften nicht mit derselben Rücksicht erwidert.

Die wichtigste Lektion für Empathen lautet deshalb nicht, weniger zu lieben. Sondern die eigene Liebe auch sich selbst zu schenken. Denn ein großes Herz braucht nicht nur Mitgefühl für andere.

Es braucht auch klare Grenzen. Erst wenn beides zusammenkommt, entsteht eine Beziehung, in der Nähe nicht zur Kontrolle wird und Liebe nicht auf Kosten der eigenen Würde geht.

Quellen:

Will I Ever Be Free of You? – Karyl McBride.
Why Does He Do That? – Lundy Bancroft.
The Verbally Abusive Relationship – Patricia Evans.
Emotional Blackmail – Susan Forward.