Die Ausreden, die Narzissten immer benutzen
Warum Ausreden für Narzissten so wichtig sind
Menschen mit ausgeprägten narzisstischen Verhaltensweisen übernehmen nur selten freiwillig Verantwortung für ihr Handeln.
Fehler würden nämlich das Bild gefährden, das sie von sich selbst und anderen vermitteln möchten. Deshalb greifen sie häufig zu Ausreden, Schuldverschiebungen oder Erklärungen, die auf den ersten Blick plausibel klingen.
Nicht jede einzelne dieser Aussagen ist automatisch ein Zeichen für Narzissmus. Jeder Mensch macht einmal Ausreden. Entscheidend ist das Muster: Werden Verantwortung, Ehrlichkeit und Selbstreflexion dauerhaft vermieden, kann dies für Betroffene sehr belastend sein.
Im Laufe der Zeit hören Partner, Familienmitglieder oder Kollegen oft dieselben Sätze immer wieder – unabhängig davon, worum es eigentlich geht.
In der Liebe
1. „Du bist einfach zu empfindlich.“
Anstatt sich mit deinen Gefühlen auseinanderzusetzen, erklärt er deine Reaktion zum Problem.
2. „Das war doch nur ein Witz.“
Nachdem er dich verletzt hat, behauptet er, du würdest Humor nicht verstehen.
3. „Wenn du mir mehr vertrauen würdest, gäbe es diese Probleme nicht.“
Nicht sein Verhalten steht im Mittelpunkt, sondern dein angebliches Misstrauen.
4. „Du hast mich dazu gebracht.“
Wut, Beleidigungen oder respektloses Verhalten werden dir zugeschrieben.
5. „Alle meine Ex-Partner waren verrückt.“
Statt eigene Fehler einzugestehen, werden frühere Beziehungen vollständig den anderen angelastet.
6. „Ich hatte einfach viel Stress.“
Respektloses Verhalten wird mit Arbeit, Geld oder anderen Belastungen erklärt.
7. „Ich wollte dich nur eifersüchtig machen.“
Flirten oder Grenzüberschreitungen werden als harmloses Spiel dargestellt.
8. „Ich werde mich ändern.“
Nach jedem Streit folgen große Versprechen – ohne dass sich das Verhalten dauerhaft verändert.
In der Familie
9. „Ich tue doch alles für euch.“
Jede Kritik wird abgewehrt, indem die eigenen Leistungen betont werden.
10. „Niemand ist so undankbar wie ihr.“
Statt über Probleme zu sprechen, wird Schuldgefühle erzeugt.
11. „Früher warst du ganz anders.“
Mit diesem Satz wird versucht, Veränderungen oder gesunde Grenzen schlechtzureden.
12. „Du erinnerst dich falsch.“
Eigene Aussagen oder Handlungen werden abgestritten. Dadurch beginnt das Gegenüber oft an der eigenen Erinnerung zu zweifeln.
13. „Ich wollte doch nur dein Bestes.“
Kontrolle oder übermäßige Einmischung werden als Fürsorge dargestellt.
14. „Wegen dir ist die Familie kaputt.“
Ein einzelnes Familienmitglied wird für jahrelange Konflikte verantwortlich gemacht.
Im Beruf
15. „Das war eigentlich meine Idee.“
Erfolge anderer werden vereinnahmt.
16. „Wenn das Projekt gescheitert ist, lag es am Team.“
Eigene Fehler verschwinden hinter der Verantwortung anderer.
17. „Ich hatte einfach keine Zeit.“
Versäumte Aufgaben werden immer wieder mit denselben Erklärungen entschuldigt.
18. „Du hast mich falsch verstanden.“
Klare Aussagen werden im Nachhinein umgedeutet, damit keine Verantwortung übernommen werden muss.
Im Alltag
19. „Alle anderen machen das genauso.“
Eigenes Fehlverhalten wird normalisiert, indem auf andere verwiesen wird.
20. „Du übertreibst schon wieder.“
Diese Aussage beendet viele Diskussionen. Anstatt über das eigentliche Problem zu sprechen, wird die Wahrnehmung des anderen infrage gestellt.
Warum diese Ausreden so gut funktionieren
Viele dieser Aussagen wirken im ersten Moment glaubwürdig. Wer einen Menschen liebt oder mit ihm zusammenarbeitet, möchte ihm zunächst glauben. Deshalb sucht man nach Erklärungen, entschuldigt sein Verhalten und hofft, dass sich alles verbessert.
Genau darin liegt die Gefahr. Nicht die einzelne Ausrede verursacht den größten Schaden, sondern ihre ständige Wiederholung. Mit jeder Rechtfertigung verschiebt sich der Blick ein wenig weiter weg vom eigentlichen Problem.
Aus einem gebrochenen Versprechen wird plötzlich ein Missverständnis.
Aus einer Lüge wird angeblich ein Schutz.
Aus Respektlosigkeit wird Stress.
Aus Kontrolle wird Fürsorge.
So entsteht langsam eine Realität, in der Betroffene immer häufiger an sich selbst zweifeln.
Worte können täuschen – Verhalten nicht
Menschen entschuldigen sich manchmal. Sie machen Fehler und lernen daraus. Das ist normal.
Problematisch wird es, wenn Ausreden zur Gewohnheit werden und Verantwortung dauerhaft vermieden wird. Dann wiederholen sich dieselben Konflikte immer wieder, obwohl jedes Mal neue Erklärungen geliefert werden.
Deshalb lohnt es sich, weniger auf die Worte zu achten und mehr auf das Verhalten.
Frage dich:
Hat sich nach der Entschuldigung wirklich etwas verändert?
Werden Versprechen eingehalten?
Werden deine Gefühle ernst genommen oder regelmäßig abgewertet?
Ein Mensch, der Verantwortung übernimmt, braucht nur selten Ausreden. Er kann sagen: „Ja, ich habe einen Fehler gemacht.“ Genau diese Ehrlichkeit schafft Vertrauen.
Wer dagegen ständig neue Erklärungen findet, aber sein Verhalten nie ändert, zeigt oft, dass ihm der Schutz seines eigenen Selbstbildes wichtiger ist als die Beziehung zu den Menschen um ihn herum.





